Lychener Straße 37

Eine Fotografin und ihre Tochter erinnern sich …

Sabine & Magda Voerster

Sabine Voerster
Fotografin
Magda Voerster
Malerin
Tochter von Sabine Voerster und Klaus Storde

Magda Voerster sagt: … Es ist eine sehr existenzielle Erfahrung gewesen. Diese Erfahrung gemacht zu haben, prägt dich enorm und prägt auch das Hinterfragen, das Überprüfen: es muss nicht alles so sein – oder – muss alles so sein? …

Magda Voerster says: … It has been a very existential experience. To have had this experience shapes you enormously and also shapes the questioning, the examining: everything doesn’t have to be like this – or – has everything to be like this? …

und

Sabine Vorster schreibt: … mit der Kamera war ich Beobachterin: Licht und Schatten – Raum und Zeit – das städtische Leben im Stil der Straßenfotografie

das Ende der DDR war eine Zeit voller Gegensätze und Gemeinsamkeiten – es galt Position zu beziehen – der große Bekanntenkreis wurde zusehends kleiner – es gab die vielen Ausreisenden – es gab Dienstreisende, Privatreisende und die, die nicht reisen durften

nach mehrjähriger Antragstellung bekam ich im Januar 1989 meine erste Reise nach Westberlin bewilligt – so nah und doch so anders – ein tiefgreifendes Erlebnis – fast unwirklich – in Berlin geboren gab es für mich Erinnerungen an Kindheitstage – die Rückfahrt war gebucht und es blieb die Hoffnung auf Wiederholung

die U-Bahnstation am Alexanderplatz – für den Augenblick zwischen Ab- und Anfahrt der nächsten Bahn wurde sie zum Kunstraum – unsere Arbeitsgruppe verwandelte Gleis 2 in eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen – die Projekte: 1988 Kunst und Literatur für den Frieden, 1989 Denken an Revolution – 20 Pfennig für eine Fahrkarte durch Berlin, Eintritt in die U-Bahngalerie inbegriffen

die Grenzöffnung im November 1989 war vorerst nicht fassbar – es stellte sich die Frage: wie miteinander umgehen und wie aufeinander zugehen der Betrieb, in dem ich eine Halbtagsstelle hatte, wurde abgewickelt – ich wurde unfreiwillig frei

1990 begann meine Projektarbeit für Kinder und Jugendliche im Berlin Prenzlauer Berg – in der Dunckerstraße 14 neben dem ersten besetztem Haus im Bezirk teilten wir die Räume des Kiezladens mit anderen freien Trägern – Kunstausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Schul- und Freizeitprojekte – Spurensuche zwischen Gestern und Heute: historische und neuzeitliche Fotos sammeln, Lebensgeschichten und historische Orte mit Hilfe der Fotografie wiederentdecken und festhalten – Aktionen der Wendezeit: Die Umweltkarawane, Die Ziegelei auf dem Helmholtzplatz, das Fotoprojekt Jugendstil – eine intensive Zeit der Zusammenarbeit von Bildenden Künstlern, Schriftstellern, Musikern

die U-Bahnstation am Alexanderplatz dann: 1990 WELTSTATTBERLIN, 1991 UM WELT BILDER – 1990 auch auf dem U-Bahnhof Lichtenberg Berliner Fotografen sehen die Zeit – ich war dabei …

and

her mother writes about her experiences as photographer, in a special group of the artist union for a recurring art project on the subway station Alexanderplatz and the work with children and teenagers after the fall of the wall …

Magda
Foto: Klaus Storde
Quelle: M. Voerster
Fotos: Sabine Voerster

Ein Projekt anlässlich von »30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall« im Auftrag des Bezirksamtes Pankow in Kooperation mit der Kulturprojekte Berlin GmbH. Das Projekt wird aus Mitteln des Bezirkskulturfonds gefördert.