Oderberger Straße 36

Ein Ingenieur erinnert sich …

Matthias Klipp

Ingenieur,
Mitorganisator der Bürgerinitiative Oderberger Straße
am 7.5.89 als erster und einziger Oppositioneller in die Bezirksvertretung Prenzlauer Berg gewählt,
dann Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen

Matthias Klipp sagt: … also wir stehen vor großen gesellschaftlichen Veränderungen, vor großen politischen Veränderungen und da kann man nur hoffen, dass diese Veränderungen – auch international – genauso friedlich ablaufen, wie sie 1989 abgelaufen sind und das ist die vierte Erkenntnis, dass das nur friedlich geht …

Matthias Klipp, prädestiniert zum Baustadtrat
Quelle: M. Kipp
Das Loch in der Mauer, aufgenommen aus der 4. Etage der Oderberger Str.36
Quelle: M. Kipp

Matthias Klipp schrieb:
Machtübernahme und Aufbau einer demokratischen Verwaltung

Die ersten demokratischen Kommunalwahlen fanden am 6.Mai 1990 – und damit fast auf den Tag genau ein Jahr nach den gefälschten Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 – bereits in der „Zwischenzeit“ statt: Bei den Volkskammerwahlen im März hatte die „Allianz für Deutschland“ gesiegt, deren Programm in einem schnellen Anschluss der DDR an die Bundesrepublik Deutschland bestand. Die Verhandlungen über den „Einigungsvertrag hatten bereits begonnen … Die Richtung auch für die Kommunen war damit vorgezeichnet, alle wussten, dass sie sich kurzfristig auf bundesrepublikanische Verhältnisse und vor allem bundesrepublikanisches Recht einzustellen hatten. …

Das Bündnis Prenzlauer Berg erzielte in unseren „Hochburgen“ um die Oderberger Straße, die Rykestraße und am Helmholtzplatz sensationelle Ergebnisse und nachdem der Wahlsieger SPD die Verhandlungen mit der CDU abgebrochen hatte (man war sich an der kommunalpolitisch außerordentlich bedeutsamen Frage ob denn nun kommunale Wohnungen verkauft werden sollten oder besser nicht in die Wolle geraten), kam es zu Koalitionsverhandlungen mit dem Bündnis Prenzlauer Berg und der Bildung eines ersten Bezirksamtes.

Wir konnten 2 Stadträte stellen, und neben Siegfried Zoels, der bereits vom Runden Tisch in den Rat des Stadtbezirkes entsandt worden war um die Abteilung „Inneres“ aufzulösen, hatte ich die Chance meinen Hut in den Ring zu werfen. Ich wusste aus meiner Zeit als unabhängiger Kandidat des WBA 56, meiner Tätigkeit in der „Ständigen Kommission Bauwesen“, der Arbeit in der Bürgerinitiative Oderberger Straße und der Arbeit am Runden Tisch ganz genau, was ich machen wollte: Eine neue Baupolitik für Prenzlauer Berg. … Ich wurde Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen, im 1.Wahlgang, und das mit 28 Jahren. Wow. …

au:s Matthias Klipp, Die politische Steuerung der Stadterneuerung im Bezirk Pankow,
geschrieben für das Buch „Eine Stadt verändert sich: Berlin Pankow – 25 Jahre Stadterneuerung“, Bezirksamt Pankow von Berlin 2015
Quelle: M. Klipp

Ein Projekt anlässlich von »30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall« im Auftrag des Bezirksamtes Pankow in Kooperation mit der Kulturprojekte Berlin GmbH. Das Projekt wird aus Mitteln des Bezirkskulturfonds gefördert.