Charlottenburger Straße 117

Hier war der

Maxim-Gorki-Klub

Hier wurde die Resolution der Rockmusiker und Liedermacher unterzeichnet.

An dem etwas verborgenen Ort in Weißensee hatten Tamara Danz und Toni Krahl Kollegen und andere Kreative zusammen gerufen. Sie diskutierten und unterzeichneten den maßgeblich von Wenzel und Mensching verfassten Text der Resolution von Rockmusikern und Liedermachern zur inneren Situation und zum Aufruf des Neuen Forums:

Tamara Danz and Toni Krahl had called colleagues and other creative people together at the somewhat hidden place in Weißensee. They discussed and signed the text of the resolution of rock musicians and songwriters on the inner situation and the call of the New Forum, which was written decisively by Wenzel and Mensching:

Resolution:
Wir, die Unterzeichner dieses Schreibens sind besorgt über den augenblicklichen Zustand unseres Landes, über den massenhaften Exodus vieler Altersgenossen, über die Sinnkrise dieser gesellschaftlichen Alternative und über die unerträgliche Ignoranz der Staats- und Parteiführung, die vorhandene Widersprüche bagatellisiert und an einem starren Kurs festhält. Es geht nicht um „Reformen, die den Sozialismus abschaffen“, sondern um Reformen, die ihn weiterhin in diesem Land möglich machen. Denn jene momentane Haltung gegenüber den existierenden Widersprüchen gefährdet ihn.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass Bürger sich in basisdemokratisch organisierten Gruppen finden, um die Lösung der anstehenden Probleme in die eigene Hand zu nehmen; dieses Land braucht die millionenfache Aktivierung von Individualität; die alten Strukturen sind offenbar kaum in der Lage dazu. So haben wir den Aufruf des Neuen Forums zur Kenntnis genommen und finden in dem Text vieles, was wir selber denken und noch mehr, was der Diskussion und des Austausches wert ist. Wir halten es für überfällig, alte Feindschaften abzubauen und zu überwinden. Es ist nun wichtig, dass der politische Wille großer Teile der interessierten Bevölkerung eine positive Entsprechung „von oben“ findet. Das heißt auch, Anerkennung dieser Gruppen, ihre Tolerierung und Einbeziehung in das Gespräch und die Gestaltung dieser Gesellschaft, wie es die Verfassung der DDR mit ihren Bestimmungen gebietet. Dieses unser Land muss endlich lernen, mit andersdenkenden Minderheiten umzugehen, vor allem dann, wenn sie vielleicht gar keine Minderheit sind.

Das Anwachsen rechtsextremer und konservativ-nationaler Elemente auch bei uns, das Beliefern gesamtdeutscher Anschauung ist ein Ergebnis fehlenden Reagierens auf angestaute Widersprüche und historisch unverarbeitete Tatsachen. Linke Kräfte fallen dieser Politik des Festhaltens erneut zum Opfer. Wir wollen in diesem Land leben, und es macht uns krank, tatenlos mitansehen zu müssen, wie Versuche einer Demokratisierung, Versuche einer gesellschaftlichen Analyse kriminalisiert bzw. ignoriert werden. Wir fordern jetzt und hier sofort den öffentlichen Dialog mit allen Kräften. Wir fordern eine Öffnung der Medien für diese Probleme. Wir fordern Änderung der unaushaltbaren Zustände. Wir wollen uns den vorhandenen Widersprüchen stellen, weil nur durch ihre Lösung und nicht durch ihre Bagatellisierung ein Ausweg aus dieser Krise möglich sein wird.
Feiges Abwarten liefert gesamtdeutschen Denkern Argumente und Voraussetzungen. Die Zeit ist reif. Wenn wir nichts unternehmen, arbeitet sie gegen uns.

Berlin, 18.9.89
Gerhard Schöne, Andre Herzberg („Pankow“) , H.E. Wenzel , Jörn Brumme, Joachim Gersdorff , Charly Eitner, Ernst Lemke, Reiner Navrath, Ingo Griese, Jürgen Ehle („Pankow“), Gerhard Laartz, Carsten Muttschall, Toni Krahl („City“), Martin Schreier, Tamara Danz („Silly“), Frank Schöbel, Markus Lönnig, Rüdiger Barton, H.H. Junck, Gerd Sonntag, H.J. Reznicek („Silly“), Uwe Haßbecker („Silly“), Jürgen Abel, Lutz Kerschowski Jürgen Eger, R. Kirchmann, Angelika Weiz, Conny Bauer, Thomas Hergert, Tina Powileit, Wolfgang Fiedler, Kurt Demmler, Beate Bienert, Jens Schultz, Lothar Kramer, Christian Liebig, Matthias Lauschus, Bernd Römer („Karat“), Tina Römer, Dietmar Halhuber, Norbert Bischof, Ralf Zimmermann, Heiko Lehmann, Ines Krautwurst, u.a.

aus: gesammelte Flugschriften DDR `89, Heft 1, November 1989, Redaktion und inhaltliche Gestaltung herausgeberkollektif (Ostberlin), Technische Gestaltung, Produktion und Vertrieb: ASTA TU Berlin

Viele der Musiker verlasen die Resolution direkt vor ihren Konzerten …

Quelle: www.im-maxim.de

Ein Projekt anlässlich von »30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall« im Auftrag des Bezirksamtes Pankow in Kooperation mit der Kulturprojekte Berlin GmbH. Das Projekt wird aus Mitteln des Bezirkskulturfonds gefördert.